Klaus Störtebeker – Der Schrecken der Nordsee | Geschichte für Kinder
Shownotes
Vom furchtlosen Seemann zur unsterblichen Legende der Meere: In dieser Folge von „Von Alexander bis Zarathustra – Geschichte(n) für Kinder“ begleiten wir Klaus Störtebeker auf seinen stürmischen Kaperfahrten über Nord- und Ostsee – kindgerecht erzählt für Kinder von 6 bis 12 Jahren.
Spannende Geschichte für Kinder: Darum geht es in dieser Folge Vom Retter zum Piraten: Wie die Vitalienbrüder erst hungenden Menschen halfen und dann zu den gefürchtetsten Seeräubern wurden. Das Gesetz der Likedeeler: Warum Störtebeker und seine Mannschaft ihre Beute gerecht teilten und sogar den Armen gaben. Eine Falle auf hoher See: Wie die Hanse mit dem Schiff „Bunte Kuh“ Jagd auf die Piraten machte. Die berühmteste Legende der Meere: Der geheimnisvolle Gang ohne Kopf und der Mythos um den echten Piratenschatz.
Für Eltern & Lehrkräfte Geschichtspodcast für Kinder von 6–12 Jahren · ca. 12 Min · Themen: Mittelalter, Hanse, Piraten, Nord- und Ostsee, Legenden vs. Fakten. Frei im Unterricht oder als Hörauftrag nutzbar.
Wünsch dir eine Person! Über welche berühmte Persönlichkeit sollen wir als Nächstes erzählen? Schreibt uns eure Wunsch-Person an von.alexander.bis.zarathustra@gmail.com – gern auch als Sprachnachricht, dann featuren wir euch in einer der nächsten Folgen!
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Transkript anzeigen
00:00:12: Hallo und willkommen bei Von Alexander bis Zarathustra.
00:00:18: Geschichte und Geschichten für Kinder, euer Geschichtspodcast für kleine Entdecker und Entdeckerinnen wie euch!
00:00:27: Ich bin Clara und heute lichten wir den Anker und wir stechen in die stürmische Nordsee.
00:00:36: Habt ihr es euch gemütlich gemacht?
00:00:38: Ja das Kissen ist auch
00:00:39: da?!
00:00:40: Dann schließt mal kurz die Augen.
00:00:44: Hört ihr das tosende Rauschen der Wellen?
00:00:50: Das Knarren des hölzernen Schiffsbau und... ...das Pfeifen, des eisigen Windes in den Segeln.
00:00:59: Hört Ihr das Geschrei der Möwen und das Klingen der Ankerketten, die ins dunkle Wasser
00:01:03: stürzen?!
00:01:06: Wir reisen über sechshundert Jahre zurück in die Vergangenheit ins späte Mittelalter!
00:01:13: Wir segeln eine Zeit, in der mächtige Kaufmannsstädte die Meere beherrschen und wilde Piraten Jagd auf glitzernde Schätze machten.
00:01:23: Wir begegnen heute einem Mann, dessen Namen in Norddeutschland jedes Kind kennt!
00:01:29: Man erzählt sich, er habe Bäche aus Bier getrunken, er sei ohne Kopf marschiert und habe seine Beute gerecht geteilt.
00:01:39: Heute schauen wir aber hinter die wilden Seemannsgarngeschichten.
00:01:43: Wir lernen den echten Mann kennen: Einen furchtlosen Kapitän, das Rätsel um seinen Namen schauen wir uns an und die spannende Wahrheit über den berühmtesten Piraten unserer Küste.
00:01:58: Habt ihr eine Ahnung, von wem ich rede?
00:02:02: Heute reisen wir zu Klaus Störtebeker!
00:02:07: Vielen Dank an dieser Stelle und liebe Grüße an Gabriel, der sich diese Geschichte gewünscht hat.
00:02:14: Seid ihr bereit für eine echte Piratengeschichte?
00:02:17: Dann los – Wir setzen die Segeln.
00:02:28: In alten Liedern und Geschichten heißt er Klaus Störtebeker.
00:02:32: Aber wusstet ihr, heute sind wir uns nicht einmal sicher ob Klaus wirklich sein Vorname war?
00:02:39: Manche alte Urkunden nennen ihn auch Johann!
00:02:44: Und Störtenbeker?
00:02:46: Das war gar kein richtiger Nachname sondern ein Spitzname.
00:02:50: Auf.
00:02:50: plattdeutsch bedeutet "Stört den Bekert" so viel wie: "Stürze den Becher um."
00:02:56: Die Legende besagt, dass er einen riesigen, vier Liter großen Becher voller Bier in einem einzigen Zug austrinken konnte, ohne ein einziges Mal abzusetzen.
00:03:07: Geboren wurde er vermutlich um das Jahr dreizehnhundertsechzig irgendwo an der Ostsee, vielleicht in Wismar oder auf der Insel Rügen.
00:03:15: und wer sich jetzt einen finsteren Räuber vorstellt, der nur wild brüllend über das Deck rennt, der liegt falsch!
00:03:22: Störtebeker war gebildet. Er konnte Navigationskarten lesen und war ein meisterhafter Navigator.
00:03:29: Er war riesengroß, bärenstark und er besaß einen ziemlich wachen Verstand.
00:03:36: Schon als junger Seemann faszinierte ihn das weite Meer, doch sein Weg führte ihn nicht in den ehrbaren Handel sondern mitten in den Krieg auf See.
00:03:47: Als Störtebecker etwa dreißig Jahre alt war, herrschte in Nordeuropa großer Krieg.
00:03:53: Die Königin von Dänemark belagerte die Stadt Stockholm in Schweden.
00:03:58: Die Menschen der Stadt hungerten verzweifelt, da hatten einige reiche Herzöge eine ziemlich kluge Idee. Sie heuerten mutige Seefahrer an, um Lebensmittel durch die feindliche Blockade nach Stockholm zu schmuggeln.
00:04:13: Diese Männer nannten sich "Vitalienbrüder" abgeleitet vom lateinischen Wort Victualia, was schlicht Lebensmittel bedeutet.
00:04:23: Vielleicht kennt jemand von euch den Viktualienmarkt in München.
00:04:27: Auch dort kann man Lebensmittel kaufen, noch heute.
00:04:32: Störtebeker wurde einer ihrer tapfersten Kapitäne.
00:04:35: Sie durchbrachen die dänischen Schiffssperren und brachten Fleisch, Korn und Fisch zu den hungernden Menschen.
00:04:42: Für die Schweden waren sie echte Helden und Retter in der Not.
00:04:47: Damit sie die feindlichen, dänischen Schiffe angreifen durften, erhielten die Vitalienbrüder sogenannte Kaperbriefe von den Königen.
00:04:56: Das waren offizielle Erlaubnisscheine zum Rauben!
00:05:00: Wenn Sie ein feindliches Schiff erbeuteten, war das kein Verbrechen sondern Kriegsdienst.
00:05:06: Störtebeker lernte in dieser Zeit, wie man schnelle Kriegsschiffe führt und auf hoher See siegt.
00:05:13: Doch dann endete der Krieg. Frieden zog ein.
00:05:17: Und was macht ein Kriegspirat, wenn plötzlich niemand mehr Feinde rauben darf?
00:05:23: Störtebecker und seine Männer dachten gar nicht daran, die Segel zu streichen.
00:05:26: Oder wieder einfache Fischer zu werden!
00:05:29: Sie machten einfach auf eigene Faust weiter.
00:05:32: Nun überfielen sie aber nicht nur dänische Schiffe sondern jedes reiche Handelsschiff, das ihren Weg kreuzte.
00:05:39: Sie nannten sich jetzt Likedeeler.
00:05:42: Das ist Plattdeutsch und bedeutet Gleichteiler. Und das war auch ihr goldenes Gesetz.
00:05:48: Egal ob Kapitän oder einfacher Schiffsjunge, jede Beute – ob Goldmünzen, kostbare Stoffe, Fässer voller Hering oder Wein, wurde unter allen Männern exakt zu gleichen Teilen aufgeteilt.
00:06:01: Sogar Arme und Bedürftige an den Küsten beschenkten sie mit Teilen ihrer Beute - quasi wie Robin Hood.
00:06:09: Das machte Störtebeker beim einfachen Volk extrem beliebt.
00:06:13: Aber die mächtigen Kaufleute der Hanse, einem Bündnis reicher Handelsstädte wie Hamburg, Lübeck und Bremen schäumten vor Wut.
00:06:22: Für sie war Störtebeker kein romantischer Held, sondern ein gefährlicher Seeräuber, der den Handel lahm legte und Millionen Schäden anrichtete.
00:06:32: Die Hamburger Kaufleute beschlossen, dem Spuk ein Ende zu setzen.
00:06:36: Sie bauten ein gigantisches, schwer bewaffnetes Kriegsschiff – die berühmte Bunte Kuh.
00:06:43: Im Jahr vierzehnhunderteins spürte dieses mächtige Schiff die Piratenflotte vor der felsigen Insel Helgoland auf.
00:06:52: Störtebekers Schiff, der tote Hund, war wendig und schnell – eigentlich hätte er den Hamburger entkommen können!
00:06:59: Doch die Hamburger wandten eine Finte an.
00:07:03: Ein Verräter oder ein geschickter Taucher – man weiß es heute nicht mehr so genau – schlich sich nah an Störtebekers Schiff heran.
00:07:11: Mit flüssigem, heißen Blei oder einer schweren Kette, blockierten sie das Ruder des Piratenschiffs.
00:07:18: Störtebekers Schiff war plötzlich manövrierunfähig – er drehte sich hilflos im Wind!
00:07:24: Ein dramatischer Entermannschaftskampf
00:07:27: entbrannte, Schwerter klirrten, Kanonen donnerten, überall war Kanonenrauch.
00:07:33: Störtebeker und seine Gefährten kämpften wie Löwen, doch gegen die Übermacht der Hamburger hatten sie keine Chance….
00:07:40: Störtebeker wurde überwältigt, in schwere Eisenketten gelegt und auf der Bunten Kuh nach Hamburg transportiert.
00:07:51: In Hamburg wurden Störtebeker und über siebzig seiner Männer zum Tode verurteilt.
00:07:56: Am zwanzigsten Oktober vierzehnhunderteins wurden sie auf einer Wiese vor den Toren der Stadt vorgeführt.
00:08:02: Und hier entsteht die spektakulärste Legende der deutschen Geschichte.
00:08:08: Der Bürgermeister von Hamburg versprach dem zum Tode verurteilten Piratenkapitän einen letzten Wunsch.
00:08:15: Störtebeker bat darum: "Schenkt all meinen Kameraden das Leben, an denen ich nach meiner Hinrichtung noch vorbeimarschieren
00:08:23: kann.".
00:08:24: Der Bürgermeister lachte spöttisch und willigte ein, weil er dachte, ein Mann ohne Kopf kann schließlich nicht gehen!
00:08:36: Das Schwert traf und dann geschah das Unfassbare.
00:08:40: Der geköpfte Störtebeker richtete sich auf, mit festem Schritt wankte der kopflose Kapitän an der Reihe seiner aufgereihten Männer vorbei.
00:08:52: Eins, zwei, drei ... vier, fünf, sechs ... elf Männer passierte er. Erst
00:09:01: als der Henker dem Rumpf ein Bein stellte, stürzte Störtebeker zu Boden.
00:09:07: Doch der Bürgermeister, der brach sein Versprechen und ließ trotzdem alle Piraten hinrichten.
00:09:14: Ob die Geschichte mit dem spurlosen Gang wahr ist, fragt ihr gerade oder doch ein wenig Seemannsgarn?
00:09:20: Medizinisch ist das natürlich unmöglich, aber sie zeigt, für wie unsterblich und bärenstark die Menschen Klaus Störtebeker hielten.
00:09:32: Obwohl Klaus Störtebeker vor über sechshundert Jahren starb, lebt seine Geschichte bis heute weiter.
00:09:38: Er war kein blutrünstiges Monster, aber auch kein reiner Märchenheld.
00:09:44: Er war ein Produkt seiner rauen Zeit – ein mutiger Seemann, ein geschickter Taktiker und einen Mann, der sich den Regeln der Reichen widersetzte und den Schwachen half.
00:09:56: Spannende Fakten über Klaus Störtebeker!
00:10:00: Wusstest du, dass man bei Bauarbeiten im Hamburger Hafen im Jahr achtzehnhundertachtundsiebzig tatsächlich einen echten Piratenschädel fand,
00:10:08: der mit einem dicken Eisennagel durchbohrt war?
00:10:12: Man kann ihn heute im Historischen Museum in Hamburg bewundern.
00:10:16: Wusstest du, dass der sagenumwobene Schatz von Störtebeker laut Legende in den hohlen Mastbäumen seines Schiffes versteckt war?
00:10:25: Einer war aus Gold, einer aus Silber und einer aus Kupfer.
00:10:30: Wusstest du, dass die Piraten der Hansezeit gar keine Augenklappen trugen, um Wunden zu
00:10:35: verdecken,
00:10:37: sondern damit sich ein Auge stets an die Dunkelheit unter Deck gewöhnen konnte?
00:10:42: So konnten sie beim Entern unter Deck sofort scharf sehen.
00:10:47: Und wusstest du, dass jedes Jahr auf der Insel Rügen die riesigen Störtebekerfestspiele
00:10:52: stattfinden?!
00:10:53: Auf einer gigantischen Freilichtbühne direkt am Meer segeln echte Schiffe und hunderte Schauspieler erwecken seine Abenteuer zu neuem Leben!
00:11:01: Ich kann es euch nur empfehlen – es ist jedes Jahr wieder fantastisch!
00:11:08: Klaus Störtebeker war ein Freigeist auf den Wellen.
00:11:11: Ein Mann, der den Stürmen trotzte, Beute teilte und als unbesiegbare Legende der Meere in die Geschichte einging.
00:11:18: Wenn ihr das nächste Mal an der Nord- oder Ostsee steht und den salzigen Wind im Gesicht spürt, blickt weiter auf das Meer hinaus.
00:11:28: Vielleicht seht ihr am Horizont die Schatten der Likedeeler.
00:11:34: Macht's wie Gabriel und wünscht euch eine Geschichte!
00:11:37: In den Shownotes findet ihr, wie ihr das am besten macht.
00:11:41: Ich freue mich auch sehr über jedes Abonnement meines Podcasts!
00:11:46: Bis zum nächsten Mal bei Von Alexander bis Zarathustra.
00:11:50: Bleibt neugierig und entdeckt die Geschichte – eure Clara.
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