Ötzi – Der Mann aus dem Eis und der älteste Kriminalfall der Welt | Geschichte für Kinder
Shownotes
Ein Mann aus dem Eis, über 5.000 Jahre alt: In dieser Folge von „Von Alexander bis Zarathustra – Geschichte(n) für Kinder“ reisen wir zurück in die Steinzeit und gehen dem Rätsel um Ötzi, den berühmten Mann aus dem Gletscher, auf die Spur – kindgerecht erzählt für Kinder von 6 bis 12 Jahren.
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Spannende Geschichte für Kinder: Darum geht es in dieser Folge Ein Sensationsfund: Wie zwei ahnungslose Wanderer im Gletscher einen über 5.000 Jahre alten Menschen fanden. Hightech der Steinzeit: Gras-Regenmäntel, warme Bärensachen und die wertvollste Axt der damaligen Welt. Feuer to-go: Wie Ötzi glühende Kohlen in Birkenrinden mit sich trug. Steinzeit-Medizin: Das Geheimnis um Ötzis 61 Tattoos und warum er schlimmes Zahnweh hatte. Krimi im Schnee: Der Pfeil im Rücken, die tiefe Wunde an der Hand und die Frage: Wer hat Ötzi auf dem Gewissen?
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Für Eltern & Lehrkräfte Geschichtspodcast für Kinder von 6–12 Jahren · ca. 13 Min · Themen: Kupfersteinzeit, Archäologie, Alpen, Ötzi (Gletschermumie), Kriminalistik in der Geschichte, Lebensweise in der Vorzeit. Frei im Sachkunde- und Geschichtsunterricht nutzbar – das Quiz in der App eignet sich zur Verständniskontrolle.
Wünsch dir eine Person! Über welche berühmte Persönlichkeit sollen wir als Nächstes erzählen? Schreibt uns eure Wunsch-Person an von.alexander.bis.zarathustra@gmail.com – gern auch als Sprachnachricht, dann featuren wir euch in einer der nächsten Folgen!
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Transkript anzeigen
„Hallo und willkommen bei Von Alexander bis Zarathustra – Geschichte(n) für Kinder! Euer Geschichtspodcast für kleine Entdecker mit großen Plänen. Ich bin Clara, und heute... heute wird es richtig eisig! Zieht euch eure wärmsten Socken an und holt euch eine dicke Decke. Habt ihr euch gut eingekuschelt? Super. Dann schließt mal die Augen. Hört ihr das Heulen des eiskalten Windes? Spürt ihr, wie euch kleine Schneeflocken ins Gesicht wehen? Wir stehen hoch oben in den Alpen, auf über 3.000 Metern Höhe. Um uns herum ist nichts als grauer Fels, weiße Wolken und massives, uraltes Gletschereis. Wir reisen heute nicht zu einem berühmten König oder einem Erfinder, dessen Namen wir aus dicken Geschichtsbüchern kennen. Wir reisen zu einem Mann, dessen echten Namen niemand auf der ganzen Welt weiß. Wir nennen ihn heute einfach: Ötzi. Er ist die berühmteste Gletschermumie der Welt. Seine Geschichte ist ein echtes Abenteuer – eine Zeitreise über 5.000 Jahre in die Vergangenheit und gleichzeitig der älteste ungelöste Kriminalfall der Menschheitsgeschichte. Seid ihr bereit, das Geheimnis des Eises zu lüften? Dann schnappt euch euren Rucksack, zieht die Mütze tief ins Gesicht – wir wandern los!“
„Unsere Geschichte beginnt gar nicht so weit in der Vergangenheit. Genauer gesagt im September 1991. Zwei Wanderer aus Deutschland, Erika und Helmut, klettern in den Ötztaler Alpen zwischen Österreich und Italien über einen Gletscher. Plötzlich sehen sie etwas Braunes aus dem schmelzenden Eis ragen. Als sie näher kommen, gefriert ihnen fast das Blut in den Adern: Es ist ein Mensch! Jemand liegt dort bäuchlings im Eis eingefroren. Die Wanderer denken sofort an einen schlimmen Unfall. Vielleicht ein Bergsteiger, der vor ein paar Jahren hier oben verunglückt ist? Sie rufen die Polizei. Mit einem Presslufthammer und Eispickeln versuchen Polizisten am nächsten Tag, den Körper aus dem Eis zu befreien. Dabei gehen sie gar nicht so vorsichtig vor – sie denken ja, es ist ein normaler Unfallort. Doch dann fallen den Rettern komische Dinge auf: Bei dem Mann liegen Werkzeuge aus Holz, ein seltsamer Dolch aus Stein und Schuhe, die mit Heu vollgestopft sind. Sowas trägt doch heute kein Bergsteiger mehr! Archäologen – das sind Wissenschaftler, die alte Dinge ausgraben – werden gerufen. Und als die den Mann untersuchen, können sie es kaum glauben: Dieser Mensch lag nicht zehn Jahre im Eis. Nicht hundert. Sondern über 5.000 Jahre! Das Eis hatte ihn wie in einer gigantischen Tiefkühltruhe all die Jahrtausende perfekt frisch gehalten.“
Clara: „Da man ihn in den Ötztaler Alpen gefunden hatte, gaben ihm die Wissenschaftler einen liebevollen Spitznamen: Ötzi. Aber in welcher Welt lebte Ötzi damals? Wir schreiben die sogenannte Kupfersteinzeit. Es gab keine Autos, keine Straßen, keine Supermärkte und kein Internet. Die Menschen lebten in kleinen Dörfern zusammen, bauten Getreide an und hielten Tiere wie Schafe und Ziegen. Ötzi war etwa 1,60 Meter groß – für die damalige Zeit war das eine ganz normale Größe. Er hatte braune Augen und dunkle, mittellange Haare. Und er war unglaublich gut gegen die Kälte ausgerüstet! An den Füßen trug er eine Art Steinzeit-Wanderschuhe aus Bären- und Hirschleder, in die er getrocknetes Gras gestopft hatte. Das Gras wirkte wie eine perfekte, warme Isolierung! Seine Kleidung bestand aus Ziegen- und Schafleder, die mit Tiersehnen zusammengenäht war. Darüber trug er einen Mantel aus geflochtenem Gras – quasi den allerersten Regenmantel der Geschichte. Auf dem Kopf hatte er eine warme Mütze aus Bärenfell. Wer auch immer er war, er wusste genau, wie man in der rauen Wildnis überlebt.“
„Das Spannendste an Ötzi war aber nicht nur sein Körper, sondern sein Gepäck. Ötzi hatte nämlich einen echten Überlebens-Rucksack aus Haselholz dabei. Darin fanden die Forscher unglaublich schlaue Erfindungen. Er hatte einen Dolch aus Feuerstein und einen Bogen, der noch nicht ganz fertig geschnitzt war. Doch sein allergrößter Schatz war eine Axt. Aber keine Axt aus Stein! Die Klinge bestand aus reinem Kupfer. Kupfer war damals das modernste Material, das es gab. Es war unfassbar selten und wahnsinnig teuer. Das bedeutet: Ötzi war kein armer Schlucker. Er muss in seinem Dorf ein sehr wichtiger Mann gewesen sein, vielleicht ein Anführer, ein Schamane oder ein mutiger Krieger. Ein normales Stammesmitglied hätte so eine wertvolle Kupfer-Axt niemals besessen. Außerdem hatte Ötzi sein eigenes Feuer dabei! Wie das geht? Er trug kleine Dosen aus Birkenrinde bei sich. In einer dieser Dosen hatte er glühende Holzkohle, die er in frische, feuchte Ahornblätter eingewickelt hatte. So konnte die Glut stundenlang heiß bleiben, ohne die Dose zu verbrennen. Wenn er Rast machte, musste er nicht mühsam ein neues Feuer bohren, er musste nur pusten und schon hatte er ein prasselndes Lagerfeuer.“
„Wenn ihr an Tattoos denkt, denkt ihr vielleicht an Anker, Totenköpfe oder bunte Blumen. Ötzi hatte auch Tattoos! Unglaubliche 61 Stück am ganzen Körper. Aber es waren keine Bilder, sondern einfach nur Striche und Kreuze. Wie hat er das gemacht? Er hat sich die Haut aufgeritzt und Kohlenstaub in die Wunden gerieben. Die Forscher glauben, dass das kein Schmuck war. Die Tattoos waren genau an den Stellen, wo seine Gelenke abgenutzt waren – am Rücken und an den Knien. Es war wohl eine Art Medizin, ähnlich wie Akupunktur, um seine Schmerzen zu lindern. Denn Ötzi war für damalige Verhältnisse mit 45 Jahren schon ein ziemlich alter Mann. Und er war nicht ganz gesund: Seine Zähne waren stark abgenutzt und er hatte schreckliche Karies. Warum? Damals mahlten die Menschen ihr Getreide mit Steinen. Dabei rieb sich immer etwas Sand und kleiner Schotter ab, der dann im Brot landete. Wenn Ötzi kaute, kaute er quasi immer ein bisschen auf Steinen herum.“
„Jetzt wird es richtig spannend. Denn wie ist Ötzi eigentlich gestorben? Lange Zeit dachte man, er sei im Schnee eingeschlafen und erfroren. Erst 10 Jahre, nachdem er gefunden wurde, machten Ärzte ein neues Röntgenbild von ihm. Und plötzlich entdeckten sie etwas Unglaubliches: Tief in Ötzis linker Schulter steckte eine Pfeilspitze aus Stein! Sie hatte eine wichtige Ader getroffen. Ötzi war nicht einfach erfroren – er wurde ermordet! Er ist verblutet. Wissenschaftler haben wie Detektive alles untersucht und vermuten heute Folgendes: Schon Tage vor seinem Tod gab es unten im Tal einen schlimmen Kampf. Ötzi hatte nämlich eine tiefe Schnittwunde an seiner rechten Hand – eine typische Abwehrverletzung, wenn man versucht, nach einem Messer zu greifen. Er konnte den Kampf wohl gewinnen oder entkommen, und floh hoch in die Berge, in die eisigen Höhen der Alpen, wo ihm so schnell niemand folgen würde. Dort oben fühlte er sich offenbar sicher. Er machte Rast. Forscher haben nämlich herausgefunden, was seine letzte Mahlzeit war: Er hatte sich kurz vor seinem Tod den Bauch mit getrocknetem Steinbockfleisch vollgeschlagen. Doch während er sich ausruhte, schlich sich sein Feind heimlich von hinten an. Ein Schuss aus dem Hinterhalt! Der Pfeil traf Ötzi in die Schulter. Er stürzte. Der Täter kam näher, zog vielleicht sogar den hölzernen Pfeilschaft aus der Wunde, um seine Spuren zu verwischen. Aber – und das ist das große Rätsel – der Mörder ließ die wertvolle Kupfer-Axt liegen! Warum? War es ein Racheakt? Wir werden die ganze Wahrheit wohl nie erfahren.“
„Wusstest du, dass… … Ötzi laktoseintolerant war? Das bedeutet, er hätte einen Becher Kuhmilch überhaupt nicht vertragen und fieses Bauchweh bekommen! … seine kupferne Axt so besonders ist, dass sie bis heute das einzige vollständig erhaltene Beil aus der Kupferzeit auf der ganzen Welt ist? … es in dem Museum in Bozen in Italien, wo Ötzi heute wohnt, eine Art ‚Eis-Zelle‘ gibt? Sie ist genau auf -6 Grad gekühlt und hat eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, damit das Klima exakt so ist wie im Gletscher. Nur so bleibt er erhalten. … es heute noch echte Verwandte von Ötzi gibt? Forscher haben das Blut von Menschen in Tirol untersucht und dabei 19 Männer gefunden, die denselben seltenen Gen-Baustein wie Ötzi haben. Er hat dort also noch ferne Ur-Ur-Ur-Ur-Neffen, die heute ganz normal zur Schule oder zur Arbeit gehen! … Ötzis Schuhe besser waren als manche modernen Winterstiefel? Experten haben seine mit Heu gestopften Lederschuhe ganz genau nachgebaut und sind damit im Schnee gewandert. Das erstaunliche Ergebnis: Sie halten die Füße unglaublich warm und man rutscht damit auf Eis fast gar nicht aus.
Ötzi konnte nicht schreiben. Er hat uns keinen Brief und kein Tagebuch hinterlassen. Und trotzdem hat uns kein Mensch jemals so viel über das Leben in der Steinzeit erzählt wie er. Sein Körper, seine Kleidung und seine Waffen sind wie ein Fenster in eine längst vergangene Welt. Er war ein zäher, kluger Überlebenskünstler, der der Natur trotzte. Wenn ihr das nächste Mal im Wald seid oder vielleicht sogar in den Bergen wandert, denkt an den Mann aus dem Eis. Wer weiß, welche Geheimnisse unter unseren Füßen noch auf uns warten!
Outro: Bis zum nächsten Mal bei Von Alexander bis Zarathustra – bleibt neugierig, greift nach den Sternen und entdeckt die Geschichte!“
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